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Greaser

Imperator der Großmächte

  • »Greaser« ist der Autor dieses Themas

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Beruf: System-Programmierer

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1

Freitag, 15. Dezember 2006, 14:24

Alles über RPG

Was ist RPG?
Was bedeutet euch RPG?
Was bringt RPG?

Hallo miteinander.

Gutes RPG ist nicht leicht zu gestalten, das sage ich aus Erfahrung.
Deshalb habe ich gedacht dass den Interessierten eine Anlaufstelle möglicherweise helfen könnte, ihre Gedanken und Ideen zu ordnen.

Was ist RPG?

RPG bedeutet ausgeschrieben „Role Play Game“, was auf Deutsch soviel bedeutet wie „Rollenspiel“.
Wie der Name schon sagt schlüpft man bei diesem Genre in eine Rolle und spielt diese möglichst überzeugend.
Das bedeutet nicht, dass man alle möglichen Dinge tut, die einem gerade so Spaß machen, es bedeutet in erster Linie Verantwortung.
Jemand, der einen friedliebenden Halbling spielt, der gerne Kuchen backt und sein Geld mit diesen Kuchen verdient, wird nicht plötzlich eine Kriegsaxt ergreifen und Drachen erschlagen. Genauso wenig wir er plötzlich anfangen Magie zu lernen und Monster zu beschwören.
Er liebt den Frieden, genießt seine Kuchen und ist das einfache Leben gewohnt.
Wer weiß, vielleicht greifen ja auch ab und an Wölfe sein Dorf an und er muss sich in so einem Falle verteidigen können, aber Drachen wird unser Halbling-Bäcker niemals erschlagen.
Es gibt auch kaum einen finsteren Totenbeschwörer, der sich plötzlich in ein liebreizendes Mädchen verliebt.
Zwar ist Originalität im RPG immer willkommen und auch erwünscht, aber sie sollte sich so in Grenzen halten, dass der Charakter auch Glaubwürdig bleibt.
Dabei muss ich erwähnen, dass seltsame Charaktere stets ein Vergnügen sind.
Beispielsweise Tommy, der 200kg schwere Hawaiianer, dessen größter Traum es ist, eines Tages ein 5-kg-Eis zu verschlingen.
Solche Dinge sind immer lustig, allerdings muss man sie überzeugend spielen können.
Tommy wird nicht plötzlich über Mauern klettern oder rennen können…
Solange der Spieler diesen Punkt im Griff hat, steht der Erlebniswelt Rollenspiel nichts mehr im Wege.

Was bedeutet euch RPG?

RPG ist eine faszinierende Welt, die einen Spieler sehr schnell in ihren Bann zieht.
Die Möglichkeiten sind Unendlich.
Ob nun eine Gruppe Ritter durchs Land zieht und das böse Bekämpft, ob sich ein bunter Trupp von Abenteurern zusammenwürfelt und Höhlen erkundet… Die Ideen sind unendlich.
Und genauso ist auch die Handlungsfreiheit.
Das ist einer der Reize am Rollenspiel: Ihr könnt tun, was ihr wollt.
Es gibt keine Programmierung, die euch verbietet, bestimmte Wesen anzugreifen.
Es gibt kein Gesetz, das euch verbietet, zu klauen und in Häuser einzubrechen.
Ihr könnt mordend und brandschatzend umherirren, ihr könnt den Schwachen helfen, ihr könnt… einfach alles.
Das ist der größte Reiz am RPG, und gleichzeitig auf die größte Schwierigkeit. Es erfordert Reife und Wahrnehmung, um gutes RP für alle zu schaffen.
Was Rollenspiel jedem einzelnen bedeutet, ist am Ende die Sache jedes einzelnen.
Manche bauen darauf ihre Persönlichkeit auf, für andere ist es ein Weg, dem Stress der realen Welt zu entfliehen. Wieder andere spielen nur zum Spaß.
Und das schöne daran ist: Rollenspiel ist für jeden eine Bereicherung, der das kleine bisschen Reife besitzt, das es erfordert.

Was bringt RPG außer Spaß?

RPG ist ein Spiel. Wenn man sich der Komplexität des Rollespieles allerdings öffnet, findet man schnell heraus, dass es für manche Leute auch mehr sein kann.
So kommt es, dass Rollenspiel das Ego einer Person tatsächlich festigen kann.
Man ist nicht mehr der einsame Bürogummi, wenn man zum glorreichen Ritter wird, der mit allen gut auskommt und viel im Land umherreist.
Wenn man sich in seine Figur hineinversetzt, kann man auch aus ihr lernen.
Man wird wagemutiger, lebensfreudiger, stärker.
Auch der Soziale Faktor spielt eine Rolle. Beim RPG spielt man nicht alleine, man kommt mit anderen Leuten zusammen, man besteht seine Abenteuer mit ihnen.
Das erfordert Rücksicht und manchmal auch Verzicht. Man kann nicht immer im Mittelpunkt stehen.
So wird man auch ein wenig geschult, mit anderen Menschen so umzugehen, dass es allen recht ist.

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Von den Ressourcen des RPG.

Aufbaustrategiespiele leben von taktischen Geschick, Einheiten und Gebäuden, die man optimal nutzen muss.
Sportspiele sind abhängig von der Reaktion und Strategie des Spielers.
Shooterspiele benötigen Koordination, Reaktion und Treffsicherheit.

Man sieht, jedes Spielgenre hat Anforderungen, denen der Konsument bestmöglich gerecht werden muss.

Wie bereits erwähnt sind diese Anforderungen beim Rollenspiel die Rücksicht und die Reife.
Doch was ist der Grundstein für ein gutes Rollenspiel?

Der Charakter ist für den Rollenspieler das, was für einen Anwalt das Gesetzbuch ist. Er ist unerlässlich.

Alle Handlungen, die man im RPG tätigt, hängen von der Figur ab, die man spielt.

Brogor, der Barbar aus dem Norden, wird keine Margriten pflücken, weil er sie hübsch findet.

Ronald, der edle Ritter, wird keinen Bettler abstechen, weil er ihn um eine Münze bittet.

Ronja, die flinke Diebin, wird keine Prügelei mit ein paar Orks anfangen.

Ich werde euch hier einen Vorgang darlegen, mit dem ihr einen spielbaren Charakter austüfteln könnt.

WIE MACHE ICH EINEN CHARAKTER?

Schritt 1: In welcher Welt befinden wir uns?

Der allererste Schritt ist es, herauszufinden, was für Figuren in die vorgegebene Welt passen könnten.
So wird es in der Steinzeit kaum Leute gegeben haben, die mit Laserwaffen herumrennen.
Das Vorgehen ist ganz einfach:
Stellt euch vor, wie die Welt, in der ihr spielt, aussehen könnte, was es für Wesen gibt etc.

Wenn ihr euch ein Bild von der Welt gemacht habt, schreitet ihr fort zu...

Schritt 2: Was bin ich?

Nun kommen wir zum Punkt, an dem wir uns über das Geschlecht, die Rasse und den "Beruf" unseres Charakters informieren.
Will ich lieber einen großen, starken Oger spielen, der dafür nicht allzu schlau ist?
Oder spiele ich den Elfenmagier, der dafür von jedem Strassenschläger vermöbelt würde, hätte er seine Zauber nicht?

Wichtig ist hierbei, dass ihr euch bildlich vorstellen könnt, wie euer Charakter sich in der vorgegebenen Welt bewegt.

Das ist der Grundriss des äußeren eurer Figur.

Schritt 3: Finessen

Nachdem wir ein grobes Bild unseres Wunschcharakters haben, sollten wir uns über die Feinmotorik gedanken machen:
Wenn der Charakter ein Krieger ist, was trägt er für Waffen mit sich?
Kämpft er lieber mit Schwert und Schild oder mit schweren Äxten?
Oder ist er gar Fernkämpfer?
Und wenn, welche Fernkampfwaffe trägt er?
Oder wenn ihr einen Magier haben wollt, worauf spezialisiert er sich?
Ist er gut im Beschwören von Tieren? Oder Untoten?
Oder schießt er lieber mit Feuerbällen um sich? Oder hat er doch lieber Eis?
Oder ist er am Ende sogar ein Heiler?

Und wie sieht er aus?
Hat er narben?
Trägt er auffällige Kleidung?

Wie spricht er?
Klingt er düster?
Oder melodisch?

Das waren erst zwei Typen mit ein paar Untergruppen. Die Möglichkeiten sind aber enorm.
Dazu jedoch später.

Schritt 4: Seele einhauchen

Wir haben nun den Körper und die Ausrüstung unseres Charakters.
Doch wie jedes Wesen hat so eine Figur auch Gefühle, Ansichten und Gedanken.

Was haben wir vor uns?
Einen Friedliebenden Heiler? Einen schweigsamen Krieger? Einen geschwätzigen Barden?

Und welche Religion hat er?
Betet er zu Dämonen? Oder ist er Ungläubig? Oder Fromm?

Was ist sein Gefühl bezüglich des Todes?
Hat er Angst davor? Würde er gerne sterben? Hat er Spaß am töten?

Ein Geist ist eine sehr komplexe Sache. Es ist also nicht verwunderlich, wenn selbst ein erfahrener Rollenspieler eine oder sogar mehrere Stunden in das Austüfteln dieses Schrittes investiert.

Haben wir diesen Schritt vollzogen, kommt wiederum...

Schritt 5: Finessen

Wir haben in Schritt 4 ein Grundraster gezogen. Nun wird alles noch zurechtgeschliffen und eventuelle Ungereimtheiten gelöscht.

Ein depressiver Wegelagerer, der sein einziges Heil darin findet, andere zu berauben oder Osgar zu töten, wird höchstwahrscheinlich kein Erbarmen zeigen, wenn jemand ihn angreift.

Ein Druide, der das Leben über alles achtet, wir allerdings nicht einfach so angreifen oder jemanden töten.

Versucht in diesem Schritt, alles, was nicht zusammenpasst, umzuändern.
Fragt euch auch ganz ehrlich, ob ihr in der Lage seid, euren Charakter glaubhaft zu spielen.

Wenn ihr damit im Reinen seid, geht weiter zu

Schritt 6: Generalprobe

Versetzt euch in euren Charakter herein.
Was fühlt er? Was denkt er? Wie sieht er aus?
Wie handelt er?

Wenn all diese Punkte absolut klar sind, so könnt ihr die Figur in die große, weite Welt entlassen.

Ein paar Beispiele

Hier einige Beispiele für mögliche Charaktere:

Rugosch, der Zwergenschmied
Rugosch ist ein Zwerg, der etwa 1.30 groß ist und an die 70 Kilo wiegt.
Er hat einen langen zu Zöpfen geflochtenen Bart und eine Halbglatze, sein Haar ist kastanienbraun.
Rugosch ist ein sehr guter Schmied, so findet man bei ihm zuhause zahlreiche edle Waffen. Er selbst ist allerdings nicht allzu gut im Kämpfen.
Eine von Rugoschs Leidenschaften ist das Bier. Wo immer man Bier findet, könnte man auch Rugosch finden.
Er ist nicht sehr religiös und hat eine normale Einstellung zum Tod: Er kommt, wenn er kommen muss.

Vargus, der Dämonenbeschwörer
Vargus ist ein Mensch mit normaler Größe und normalem Gewicht. Sein blondes Haar ist schulterlang und seine bevorzugte Kleidung ein dunkelrotes Cape. Vargus trägt immer einen Stab mit sich, auf dessen spitze ein Edelstein steht.
Vargus betet zum Dämonenlord, für ihn gibt es kein besseres Gefühl als das Morden. So reist er durch die Lande und verbreitet Elend, wo er nur kann.
Vargus lehnt Alkohol und andere Narkotika entschlossen ab. Der Tod ist für ihn etwas amüsantes, solange es nicht sein eigener ist.


Das wären zwei plausible Beispiele, natürlich stark vereinfacht - Es gibt unzählige Facetten zu beachten.
Geschmack, Liebe etc...
Im Grunde könnte man über jeden Charakter ein Buch schreiben.

Eine gute Möglichkeit, sich seinem Charakter näherzubringen, ist ein Interview.
Darin stellt man Fragen und versucht, diese mit seinem Charakter zu beantworten.
So lässt sich auch üben, wie die Figur spricht, ob sie arrogant ist, oder scheu...

Die weiten des RPG sind, wie gesagt, unendlich.

Schitt hapens

2

Sonntag, 17. Dezember 2006, 01:35

[c] by me...
Graf Öderland geht um die Welt
Graf Öderland geht mit der Axt in der Hand
Graf Öderland geht um die Welt!

Tschakko

unregistriert

3

Samstag, 23. Dezember 2006, 10:02

Vielen Dank Greaser! Einige Teile sind für mich neu und gut erklärt! Danke!

Edit:/ Danke Leichenfabrik^^ kennst du mich noch? Ich bin Pädu^^ hast mir mal RPG Geschichten für die Allianz gemacht. Hab glaubich noch ein paar^^

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Tschakko« (23. Dezember 2006, 15:27)


4

Samstag, 23. Dezember 2006, 13:28

Wie gesagt: Der Text stammt von mir. Greaser hat ihn nur hier rein kopiert ^^
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